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josfritz Buchhandlung Freiburg
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Steffen Kopetzky

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Heyne , Taschenbuch , 731 Seiten

 12.99 €

 978-3-453-41956-8

Risiko

In Kopetzkys Roman geht es um eine geheime deutsche Expedition, die im ersten Jahr des Ersten Weltkriegs von Istanbul über Persien nach Afghanistan aufbrach, um an der Grenze zu Indien das englische Empire in einen weiteren Konfliktherd zu verwickeln und so versuchte, die Kräfte des Gegners zu schwächen.
Alles fängt recht harmlos an. Zwei deutsche Kriegsschiffe liegen in der Adria vor Albanien. Sie sollen im Verbund mit englischen, holländischen und italienischen Kräften die gefährdete Unabhängigkeit des jungen Balkanstaates gewährleisten. Der bayrische Offizier Stichnote, dritter Sohn einer Münchner Gerberfamilie, sieht keine andere Chance als die Ausbildung zum Funker bei der Marine. Er ist von der neuen Technik begeistert und von Fernweh getrieben. Der Militärdienst soll ihm als Sprungbrett zu einer Existenz in Kolumbien dienen, wo sein Onkel als Copalhändler lebt. Aber von einem Tag auf den anderen befindet er sich in mitten in den Geschehnissen des Ersten Weltkriegs. Die britischen Soldaten, mit denen man freundschaftlichen Kontakt pflegte, sind über Nacht durch die Folgen des Attentats von Sarajewo zu Feinden geworden. Das Mittelmeer ist eine Falle, und die Flucht nach Istanbul der letzte Ausweg. Er findet und verliert seine große Liebe und wird Teil einer Expeditio
n, die den Dschihad nach Afghanistan tragen soll. Mit in der Gruppe um den Leiter Niedermayer sind auch ein englischer Spion, dessen Berichte die Expedition größer als in Wirklichkeit werden lassen, und ein als Waffenhändler getarnter investigativer Journalist.
Kopetzky erzählt spannend und gut recherchiert, wie die einzelnen Charaktere zu Spielfiguren in einem globalen Konflikt und von den Ereignissen zu Aktionen und Reaktionen gezwungen werden, die sie freiwillig niemals in Erwägung gezogen hätten. Erschreckend und zugleich faszinierend beschreibt er die Folgen von Machtpolitik und wirtschaftlichen und militärischen Strategien für die Menschen und ihre Beziehungen. Immer wieder bekommt man eine Ahnung, wie die Ereignisse der Vergangenheit die aktuellen Geschehnisse prägen.
Und es ist äußerst interessant zu sehen, wie multikulturell die Welt vor 100 Jahren war, und dass es jenseits des chauvinistischen Freund-Feind-Weltbildes Beziehungen über die unterschiedlichsten Grenzen geben kann. Ob diese immer gelingen, hängt von Vielem ab. Aber die Chance ist da.

Achim Schley, Druckwerkstatt im Grün