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josfritz Buchhandlung Freiburg
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Margarete Stokowski

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Rowohlt , gebunden , 256 Seiten

 19.95 €

 978-3-498-06439-6

Untenrum frei

Margarete Stokowski schreibt über Sex. Und sie schreibt über Macht. Sexuelle Freiheit, das „Untenrum“, geht bei ihr einher mit politischer Freiheit, der Abkehr von einengenden Rollenbildern, Normen und Mythen, dem „Obenrum“. Wir können nicht untenrum frei sein, wenn wir obenrum nicht frei sind, so ihre zentrale These.
In ihrer frechen, unverstellten Art erzählt sie frei von der Leber weg, wie es ist, als junge Frau in eine Welt geworfen zu werden, die meint, offen und gleichberechtigt zu sein, dabei jedoch an traditionellen Rollenbildern und sexueller Unterdrückung festhält. In sieben Essays, die einzeln gelesen werden können, aber in ihrer Fortsetzung eine Geschichte ergeben, berichtet sie, teilweise autobiographisch, vom Aufwachsen in den 90ern, der Pubertät in den nuller Jahren und Erfahrungen bis heute. Dabei deckt sie gekonnt Mechanismen sexueller Gewalt auf, dass es einem wie Schuppen von den Augen fällt. Eindrücklich ist zum Beispiel eine ganzseitige Auflistung von Titelthemen, die Magazine wie „Spiegel“ oder „Stern“  mit halbnackten oder nackten Frauen illustriert haben  – „Salz“ und „Griechenland“ erscheinen besonders absurd. Oder die Analyse der Mädchenzeitschriften „Bravo Girl“ oder „Mädchen“, denen Stokowski neben Sexismus und Homophobie auch Behindertenfeindlichkeit attestiert, weil das beeinträchtigte Mädchen in der Fotolovestory zwar am Ende ihren Schwarm abbekommt, aber eben erst, als dieser selbst gehbehindert wird. Stokowski ist wütend, das wird hier wie an so vielen Stellen deutlich.
Auch räumt Stokowski ein für alle Mal auf mit den staubigen Feminismus-Klischees, die leider immer noch in so vielen Köpfen vorherrschen, indem sie deutlich macht, was ihre Idee von Feminismus ist: Gleichheit und Freiheit unabhängig von Geschlecht, Sexualität und Körpern – und natürlich geht es nicht nur um Frauen!
Mal schreibt sie heiter und man möchte rufen: „Ja, genau so war es bei mir auch!“, plötzlich wird sie ernst und beschreibt Szenen sexualisierter Gewalt und selbstverletzenden Verhaltens, die verstören. Ernst meint sie es eigentlich die ganze Zeit, denn es geht ihr um Freiheit – ein großes Wort, wie sie selber zugibt, aber sie schafft es, ein Stück näher dorthin zu kommen, denn nach der Lektüre fühlt man sich tatsächlich – ein wenig freier.

Hannah Knaus, 28 Jahre,