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josfritz Buchhandlung Freiburg
josfritz Buchhandlung Freiburg

Karin Kalisa

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Droemer , Taschenbuch , 255 Seiten

 9.99 €

 978-3-426-30566-9

Sungs Laden

In den 1960er Jahren kam die vietnamesische Fami­lie Tran nach Ostberlin. Sie waren als Vertragsarbeiter angeworben worden – als billige Arbeitskräfte mit wenig Rechten; Integration oder eine dauerhafte Ansiedelung waren in der DDR weder vorgesehen noch erwünscht. Kurz nach der Wende verloren Hien und Gam Tran ihre Arbeit in der Fabrik, aber durch eine glückliche Fügung konnten sie einen Gemischt­warenladen in Prenzlauerberg übernehmen: einen kleinen, mit Ost- und Westwaren vollgestopften Laden, der alles vorrätig hatte, was im  Kiez gebraucht wurde und fast rund um die Uhr geöffnet war. Nach dem Tod seines Vaters übernimmt Sung, der eigentlich Archäologie studiert hatte, das Geschäft, und von nun an wird der kleine Laden zum Sehn­suchts­ort vieler Kiez­bewohnerInnen. Dort finden sie traumhaft schimmernde, meergrüne Seide, 0,375-l-Eierlikörflaschen, Einmach­gläser, Luftschlan­gen, köstlich süße Mangos und Fenster­leder – Sungs Laden ist Versorgungseinrichtung, Nachbar­schafts­treff und Museum in einem. Und seine Strahlkraft geht bald weit über den Kiez hinaus – vietnamesische Kegelhüte werden der letzte Schrei in Berlin, und eine Kunstlehrerin fertigt vietnamesische Wasser­puppen aus Feigenholz an, um damit ein Protesttheater­stück gegen die Raumnot an ihrer Schule zu inszenieren. Menschen unterschiedlichster Herkunft kommen ins Gespräch, Kulturen mischen sich, Bambus-Brücken verbinden Stadtteile Berlins.
Utopisch, unrealistisch, märchenhaft? Vielleicht. Aber es sind Geschichten wie diese, die das Lesen und Leben schön machen.


 Susanne Schmid