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josfritz Buchhandlung Freiburg
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Kent Haruf

Es ist kalt in Colorado, zumindest in diesem Winter in der fiktiven Kleinstadt Holt, deren unattraktive Ödnis den Grundton des Romans bildet. Statt der Weite, die der deutsche Buchtitel erwarten lässt, finden wir uns in einer engen, beängstigenden Szenerie, die den Menschen dieser Geschichte nur wenig Spielraum lässt. Da ist Tom Guthrie, der von seiner depressiven Frau verlassene Lehrer, der es kaum schafft, sich um seine halbwüchsigen Söhne zu kümmern. Ein paar Häuser weiter wird die siebzehnjährige Victoria wegen einer unerwünschten Schwangerschaft von ihrer Mutter einfach vor die Tür gesetzt. Außerhalb der Stadt leben die beiden alten McPheron-Brüder vereinsamt auf ihrer abgelegenen Rinderfarm.

Wie ausgerechnet diese kauzigen Alten dem Romangeschehen eine unerwartet lebensfreundliche Wende bescheren, beschreibt Haruf feinsinnig, glaubhaft, ohne Sozialpathos. Und zeigt am widerlichen Kleinkrieg des Ekelschülers Russ gegen Lehrer Guthrie, wie schnell die dauernd spürbare, latente Gewalt an die Oberfläche krachen kann. Als Victoria ihr Kind nach fürsorglicher Betreuung durch die beiden McPherons auf die Welt bringt, ist endlich Frühling – es ist nicht alles gut und gelöst, aber das Schlussbild einer neuen Patchwork-Familie lässt Raum für Hoffnung.