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josfritz Buchhandlung Freiburg
josfritz Buchhandlung Freiburg

Andreas Ebner

cover

Verlag für Regionalkultur , gebunden , 512 Seiten

 39.80 €

 978-3-89735-879-9

 09.07.2016

Als der Krieg den Fußball fraß

Die Geschichte der Gauliga Baden 1933-1945

Wer sich mit der Geschichte des Fußballs im Südwesten beschäftigten möchte, wird dieses neue Standardwerk über die Gauliga Baden mit großem Informationsgewinn studieren. Zugegeben: Andreas Ebners 512-Seiten-Werk wirkt beim ersten Eindruck etwas einschüchternd. Doch angesichts einer Flut von Fußball­büchern, die überwiegend mit eher journalistischer Feder verfasst sind, dabei Anekdoten und Geschichtchen präsentieren, sich aber nicht immer durch Tiefgang oder Faktenkenntnis auszeichnen, wird man die akribische Fleißarbeit des Hobbyforschers Ebner schnell zu schätzen wissen. Das vor allem dokumentarisch-lexikalisch angelegte Buch schließt eine erhebliche Forschungslücke: Bislang gab es keine Übersicht zum Fußball in der höchsten badischen Liga zur Zeit des NS-Regimes.  
 
Auf der Basis der Auswertung zeitgenössischer Presseorgane und Fußballzeitschriften ist hier jede Spielsaison seit 1933 akribisch dokumentiert. Das Buch führt neben den Spielergebnissen und den Mannschaftsaufstellungen auch die Torschützen, die Zuschau­er­zahlen, die Platz­verweise und die eingesetzten Schieds­richter auf. Ergänzt werden die umfassenden Sta­tistiken durch biographische Übersichten zu vielen Spielern, Trainern und Schieds­richtern, die die Gauliga Baden geprägt haben. Es finden sich viele historische Fotos – auch hier ist die Sammeltätigkeit des Autors beeindruckend. Dem ohnehin schon üppigen Werk ist zudem eine CD mit weiteren Daten und Informationen beigelegt. Hier gibt es Einzeldarstellungen zur Entwicklung der insgesamt 41 Vereine, die zwischen 1933 und 1945 in der Gauliga gespielt haben, etwa zum Freiburger FC oder zum SC Freiburg.
 
Eine kritische Analyse oder eine Verknüpfung mit den politischen Rahmenbedingungen findet (bis auf eine Darstellung des Aufbaus der badischen Sportorganisation) nicht statt: Der Autor konzentriert sich auf eine möglichst lückenlose Dokumentation der sportlichen Ereignisse 1933-1945.
Allen Fußballenthusiasten, die sich außerhalb der schnelllebigen Glitzerwelt der modernen Fußball­maschinerie auch mit der prallvollen Geschichte dieses Sports beschäftigen möchten, wird man die verdienstvolle Dokumentation von Andreas Ebner dennoch sehr empfehlen können. Sie liefert nun die Grundlage für eher analytisch-kritischere Studien zum regionalen Fußball in der NS-Zeit.

Uwe Schellinger, Archivar