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josfritz Buchhandlung Freiburg
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Gary Victor

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Aus dem Französischen von Peter Trier
Litradukt Verlag , kartoniert , 160 Seiten

 11.90 €

 978-3-940435-20-0

Suff und Sühne

Nein, so ganz wollen die bösen Geister niemals weichen. Haben wir Dieuswalwe Azémar am Ende von „Schweinezeiten“, einem früheren Fall, beim Kampf mit einer vierarmigen Kreatur verlassen, so beginnt der neue Roman um den haitianischen Inspektor damit, dass sich diesem eine überlebensgroße und zu allem Überfluss ihm ganz persönlich feindselig eingestellte Tarantel von der Decke seines Zimmers aus nähert. Ein böser Traum? Eine Ausgeburt seines Alkoholentzuges? Voodoo? Oder einfach eine menschenähnliche Spinne an der Zimmerdecke? Kein großer Unterschied für Azémar: „Das Leben in diesem Land ist eine Halluzination im Endstadium ... Dennoch muss man bis zum letzten Atemzug kämpfen und sich nicht damit aufhalten, die Wirklichkeit zu hinterfragen.“
Mit Suff und Sühne setzt der haitianische Autor Gary Victor seinen Polizeiinspektor nun schon zum dritten Mal in deutscher Sprache in eine Welt, in der die Grenzen zwischen Realität und Wahnvorstellungen, zwischen Nüchternheit und Delirium gekonnt verfließen. Schauplatz ist Port-au-Prince, die Hauptstadt Haitis, einem Land voller Armut, Ungerechtigkeiten und Gewalt. Hier dreht Dieuswalwe Azémar seine Runden, ein wenig einsam und mit nicht gerade wohlwollenden Blicken bedacht, da er sich – die Erziehung durch seine Eltern vorschiebend – der allgemeinen Korruption verweigert. Seine Alkoholsucht macht die Sache nicht gerade einfacher, doch ohne Madame Baptiste, die den Inspektor mit soro versorgt, wäre dieser wohl vollends aufgeschmissen. Soro ist ein Schnaps aus Zuckerrohr mit bitterem Geschmack, Aggressivität, Ungestüm und einer besonderen Sinnlichkeit, heißt es im Buch – womit zugleich der Inspektor treffend charakterisiert wäre. Für diesen beginnt nun der Tag, ist die Tarantel erst einmal vertrieben, mit der Ankunft von Amanda Racelba, einer attraktiven Brasilianerin, die ihn mit vorgehaltener Waffe und unleugbaren Beweisen des Mordes an ihrem Vater beschuldigt. Langsam entspinnt sich ein Netz, in dem die UN-Mission in Haiti, die Polizeibehörden, eine Unternehmerfamilie und ein grausamer Bandenchef namens Raskolnikow ihre Köder auslegen. Als dann noch Azémars Tochter Mireya bedroht wird, bleibt dem Inspektor nichts anderes übrig, als es einmal mehr mit den zahlreichen bösen Geistern des Landes aufzunehmen…

Jonas Wegerer, 34 Jahre,