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josfritz Buchhandlung Freiburg
josfritz Buchhandlung Freiburg

James Gordon Farrell

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Aus dem Englischen von Manfred Allié
Matthes & Seitz Verlag , gebunden , 828 Seiten

 30.- €

 978-3-95757-251-6

Singapur im Würgegriff

In meinem Bücherregal gibt es eine Sparte für besondere Bücher: Die Brenner-Romane von Wolf Haas und die Bände mit Onno Viets, dem genügsamen, aber unnachgiebigen Helden von Frank Schulz. Beide stehen für Literatur, die unterhaltsam, aber nicht trivial, die lustig und zugleich anspruchsvoll ist. Nachdem ich entsetzt feststellte, dass ich beide Reihen zu Ende gelesen hatte, brach eine Saure-Gurken-Zeit an. Bis ich James Gordon Farrell entdeckte. Der britische Autor veröffentlichte in den 1970er Jahren die „Empire Trilogie“, die den Untergang des britischen Imperiums thematisiert und zugleich scharfe Kritik an der Kolonialgeschichte Großbritanniens übt. Der Verlag Matthes & Seitz Berlin verlegte die Trilogie nun in deutscher Sprache und brachte diesen Frühling last but not least „Singapur im Würgegriff“ heraus. Seine 828 Seiten sollten nicht abschrecken, denn nach den ersten zwanzig Seiten ist man – Achtung Plattitüde – froh, dass das Buch so dick ist!
Der Plot ist spannend und abwechslungsreich, die Figuren sind sämtlich fein gezeichnet und gut getroffen, und ihre jeweiligen Dynamiken untereinander machen enorm Spaß: Wie Walter Beckett, wohlhabender britischer Geschäftsmann auf Singapur, an seiner Tochter Joan verzweifelt, weil diese sich ständig völlig inakzeptable Verehrer anlacht, ist eine ganz große Freude. Ohnehin ist Farrells Humor von besonderer Machart, er entwickelt eine ganz eigene Komik, die oft über schräge Szenarien oder amüsante Figurenkonstellationen funktioniert und dabei stets schön subtil bleibt.
Neben dem großen Unterhaltungswert hat „Singapur im Würgegriff“ ein deutlich kritisches Anliegen, das eine andere Ebene aufmacht. Wenn besagter Walter Beckett uferlos referiert, welche Fortschritte und Errungenschaften der Kolonialismus nach Singapur gebracht hat, wird es unfreiwillig zynisch. Darin zeigt sich die kolonialistische Logik, den Schaden, den sie angerichtet hat und die Haltung, die die Kolonialherren dazu eingenommen haben.
Die Kombination aus humoristischer und anspruchsvoller Literatur gelingt James Gordon Farrell vortrefflich! Oftmals stehen sich beide Aspekte im Weg; Singapur im Würgegriff zeigt, wie hervorragend sie sich ergänzen können!

Frederik Skorzinski, 29 Jahre ,