Loading...
josfritz Buchhandlung Freiburg
josfritz Buchhandlung Freiburg

Herman Melville

cover

Neu übersetzt von Matthias Jendis
Hanser Verlag , gebunden , 1040 Seiten

 34.90 €

 978-0-8129-9693-7

Moby Dick

Wenn ich nach dem idealen literarischen Reisebegleiter für warme Sommertage gefragt werde, fällt die Wahl in den meisten Fällen auf Moby Dick. Der Jahrhundertroman von Herman Melville aus dem Jahr 1851 bietet jede Menge Abwechslung, Tiefgang und eine Prise Abenteuer. Zugegeben, die mäandernden Gedanken des Erzählers Ismael verwirren manchmal. Aber genau diese Vielschichtigkeit ist auch die große Stärke dieses Romans, der seine damaligen Zeitgenossen literarisch überforderte und daher floppte.

Die Geschichte des rachsüchtigen Kapitäns Ahab und seiner Jagd auf den Weißen Wal kennt fast jeder mindestens vom Hörensagen. Schon weniger ist die Mannschaft der Pequod um Starbuck, Pip und den Harpunier Queequeg ein Begriff. Grund genug also, die Kenntnis dieses modernen Mythos aufzufrischen.

Gratis dazu bekommt man in manchen Passagen das Gefühl, eine leichte Brise mitten auf dem Indischen Ozean zu verspüren – manchmal hat man sogar das Gefühl, das Meersalz schmecken zu können. Die Beschreibungen vom Leben an Bord des Schiffes sind – wie auch die Schilderungen des damaligen Walfangs und seiner Härte für Tier und Mensch – sehr eindrücklich und nehmen einen wirklich mit auf eine entbehrungs- und abwechslungsreiche nautische Reise. Aber der eigentliche Hauptgrund für die Empfehlung sind eben jene oben beschriebenen gedanklichen Spaziergänge, die der Erzähler immer wieder macht. Mehrfach werden wir Zeugen von, für damalige Verhältnisse sehr fundierten, zoologischen Beobachtungen der Meeresbewohner. Andere Male gibt es philosophische, anthropologische oder theologische Ausflüge. Und wer hat sich jemals Gedanken gemacht, warum Weiß eigentlich eine so „furchteinflößende Allfarbe des Grauens“ ist? Die Antwort darauf und noch viele weitere Denkanstöße finden sich in diesem Buch.Mit dem umfassenden und kenntnisreichen Anmerkungsteil in der Hanser-Ausgabe erschließen sich auch dem Laien die vielen Referenzen und Anspielungen bei Melville. Und Experte für Seemannssprache wird man auch noch. Ein echtes Schweizer Taschenmesser also.

„Nichts ist besser geeignet als der Walfang mit all seinen Gefahren, diese freie und unbekümmerte Desperado-Philosophie hervorzubringen, und durch ihre Brille betrachte ich nunmehr die gesamte Fangfahrt der Pequod wie auch ihr Ziel, den Weißen Wal.“

Sascha Flocken, 32 Jahre ,