Loading...
josfritz Buchhandlung Freiburg
josfritz Buchhandlung Freiburg

Arundhati Roy

cover

Aus dem Englischen von Anette Grube
S. Fischer Verlag , gebunden , 560 Seiten

 24.- €

 978-3-10-002534-0

Das Ministerium des äußersten Glücks

Der zweite Roman der indischen Schriftstellerin Arundhati Roy ließ ganze 20 Jahre auf sich warten. Nachdem ihr Debütroman Der Gott der kleinen Dinge die Autorin schlagartig berühmt gemacht hatte, schrieb sie hauptsächlich politische Essays und nutzte ihre Position, um auf Missstände in der indischen Gesellschaft und Politik aufmerksam zu machen.

Massaker, Korruption, Vergewal­tigung, die Ungerechtigkeit des Kastensystems, Folter und Mord, der Kaschmir Konflikt… all diese schwer verdaulichen Themen, mit denen sich Roy beschäftigt, finden sich in ihrem neuen Roman wieder. Davon sollte man sich jedoch nicht abschrecken lassen, denn Roy hat die Fähigkeit, über die Grausamkeit und Rohheit des menschlichen Daseins zu schreiben, ohne dessen Kehrseite außer Acht zu lassen: Schönheit und Poesie kommen bei Roy definitiv nicht zu kurz.  

Der erste Teil des Buches verfolgt das Leben der „Hijra“ Anjum. Hijras werden in Indien Menschen mit beiden Geschlechtern genannt; sie leben in Gemeinschaften zusammen, gesellschaftlich geduldet und auch gefürchtet, jedoch automatisch der untersten Kaste angehörend. Die Geschichte erzählt den Wer­de­gang Anjums von ihrer Kindheit im muslimischen Teil Neu-Delhis über lange Jahre im Hijra-Haus Khwabgah bis hin zu ihrem Umzug in das eigentliche Ministerium des äußersten Glücks: ein verlassener muslimischer Friedhof, wo Anjum über die Jahre eine autarke Gemeinschaft aus Menschen gründen wird, welche aus der Gesellschaft gefallen sind.

Der zweite Teil des Buches widmet sich der charismatischen und eigensinnigen Tilo und ihrer Beziehung zu Musa, welcher sich irgendwann gezwungen sieht, im nicht enden wollenden Wahnsinn des Kaschmir Konfliktes Position zu beziehen. Neben Anjum und Tilo werden auch die Schicksale all jener erzählt, die die Wege der beiden Protagonistinnen kreuzen. All diese Geschichten fügen sich zu  einem lebendigen Mosaik Neu-Delhis zusammen, das sich dem Leser/der Leserin noch lange einprägen wird.

Dies ist ein wildes und zartes Buch gleichermaßen, an dessen Ende man sich nur ungern vom Ministerium des äußersten Glücks und all seinen Bewohnern verabschiedet.

Sentha Hehn,