Loading...
josfritz Buchhandlung Freiburg
josfritz Buchhandlung Freiburg

Christoph Schneider

cover

Campus Verlag , gebunden , 242 Seiten

 29.95 €

 978-3-593-50689-0

Diener des Rechts und der Vernichtung

Das Verfahren gegen die Teilnehmer der Konferenz von 1941 oder: Die Justiz gegen Fritz Bauer

Seit Mai 2015 erinnert ein Gedenkstein auf der Frankfurter Zeil an das Engagement von Fritz Bauer für eine umfassende Aufarbeitung des NS-Unrechts. Dies ist eine späte Rehabilitation für den deutsch-jüdischen Juristen und ehemaligen Verfolgten, der von 1956 bis zu seinem Tod 1968 Generalstaatsanwalt in Frankfurt am Main war. Gegen die Politik von Fritz Bauer waren die Widerstände im westdeutschen Justizapparat massiv. Daher bedürfen die Praktiken der Staatsanwaltschaften in den 1960er Jahren, insbesondere bei Verfahren gegen hohe Amtsträger des Naziregimes, weiterer Forschung. Der Kulturwissenschaftler Christoph Schneider hat nun ein wichtiges Buch hierzu verfasst, das der Frage nachgeht, wie die Spitzenjuristen des Dritten Reichs einer öffentlichen Anklage wegen ihrer Verwicklung in die Morde an Anstaltspatienten entkommen konnten. Im April 1941 hatte der geschäftsführende Reichsjustizminister, Franz Schlegelberger, alle Oberlandesgerichtspräsidenten und Generalstaatsanwälte zu einer Tagung nach Berlin eingeladen, um die Kooperation der Justizgewalt bei der so genannten „Euthanasie“-Politik der NS-Führung zu sichern. Diese Politik führte zur Massenvernichtung von als „lebensunwert“ qualifizierten Menschen. Die Morde waren gemäß dem heutigen Forschungsstand eine Voraussetzung für die Ermordung der europäischen Juden.
Mit Blick auf das grausame Geschehen in den Anstalten widmet der Autor den Ermordeten sorgfältig recherchierte Passagen, und verleiht so den Opfern Sichtbarkeit. Indem es das Scheitern des Schlegelberger-Verfahrens dokumentiert, lädt das Buch dazu ein, auch Bauers Niederlagen als lehrreich zu betrachten. Angesichts der Makrokriminalität von hohen Beamten des Dritten Reichs wollte sich die westdeutsche Justiz auf keinen Gerichtsprozess einlassen. Demgegenüber setzte sich Fritz Bauer für eine radikale Aufklärung der deutschen Verbrechen ein, in der Hoffnung, die wenigen zur Anklage gebrachten Fälle würden eine didaktische Wirkung entfalten. Der Autor hat diesen mutigen Weg, den Fritz Bauer zusammen mit einer Handvoll streitbarer Juristen ging, mit Akribie und stilistischer Brillanz rekonstruiert. Dies ist das große Verdienst von Christoph Schneiders Buch.
Das Verfahren gegen die Teilnehmer der Konferenz von 1941 oder: Die Justiz gegen Fritz Bauer.

Daniel Bonnard, 33 Jahre,