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josfritz Buchhandlung Freiburg
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Zoltán Szalai

cover

Alber Verlag , gebunden , 312 Seiten

 42.- €

 978-3-495-48855-3

Im Schatten Heideggers

Einführung zu Leben und Werk von Wilhelm Szilasi

Zoltán Szalai hat mit seiner beeindruckenden Biografie des jüdischen Philosophen Wilhelm Szilasi einen Beitrag zur Geschichte der deutsch-ungarischen Geisteswissenschaften geleistet. Sein Buch ist in Zeiten des aufflammenden Nationalismus in Europa und im Kontext der „Schwarzen Hefte“ Heideggers immer noch hochaktuell. Der Autor beschreibt die akademische Laufbahn und den Lebensweg Szilasis. Dieser führte von Ungarn über das Schweizer Exil bis zu seiner Rückkehr nach Deutschland, wo er als Nachfolger Heideggers an der Universität Freiburg den Lehrstuhl für Philosophie antrat.

Zu Beginn des Buches berichtet Szalai über die abenteuerliche Geschichte des Nachlasses und wie es ihm durch umfangreiche kriminalistische Recherche gelang, diesen wieder zusammenzuführen. Die Kapitel sind einzeln lesbar und auch für den Laien verständlich. Die literarische Spurensuche in der Nachkriegszeit erschafft ein lebendiges und facettenreiches Bild eines europäischen Denkers, dem sich der Autor mithilfe zahlreicher Zeugnisse aus persönlichen Notizen, privaten Briefen und Gesprächen nähert und dabei nie die Grenze zur Sensationslust überschreitet. Szalai skizziert die paradoxe Hassliebe zwischen zwei gegensätzlichen Persönlichkeiten: Martin Heidegger und dessen Bewunderer Wilhelm Szilasi, der ungeachtet des Boykotts an der Universität zeitlebens seine Menschlichkeit und Integrität bewies, indem er an der paradoxen Freundschaft festhielt. Über Szilasis vielfältige Interessen und seine Begabung zur Lehre berichten ehemalige Schüler wie Odo Marquard, Hermann Lübbe oder Detlev von Uslar und verdeutlichen damit den enormen Einfluss, den er auf die europäische Geistesgeschichte hatte. Allein die Wahl des Buchtitels bleibt fraglich: Wenn man eine eigene leibhafte Persönlichkeit haben will, so muss man sich nicht sträuben, auch einen Schatten zu haben, heißt es bei Nietzsche. Und welcher Denker den anderen auch übertrifft, Zoltán Szalai erarbeitet dem (kalkulierbar) fassungslosen Leser seines Buches durch akribische Arbeit am Nachlass kontinuierlich die Freiheit, anhand der vorliegenden Argumentation eine eigene Fragestellung zu entwickeln.

Constanze Knothe, 27 Jahre,