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josfritz Buchhandlung Freiburg
josfritz Buchhandlung Freiburg

Michael Frayn

cover

Aus dem Englischen von Anette Grube.
dtv , Taschenbuch , 288 Seiten

 9.90 €

 978-3-423-14330-1

Willkommen auf Skios

Die Auswahl dauert immer lange, aber eigentlich entspricht meine perfekte Urlaubslektüre stets diesen Kriterien: Das Buch darf nicht zu dick sein, damit ich mehrere mitnehmen kann. Schön, wenn das Setting vage mit dem Zielort zu tun hat. Und unterhaltsam soll es sein, denn in der Hitze leidet ja doch die Konzentration. Wenn man in der Stimmung ist, kann man immer noch viel hineininterpretieren, muss man aber nicht. Die Briten haben hierfür den schönen Begriff „middlebrow“, also Literatur, die intelligent unterhält, aber nicht so anspruchsvoll ist, dass man dabei die ganze Zeit vor Anstrengung die Stirn runzeln müsste.
Bühne frei also für Michael Frayns Willkommen auf Skios: Im Flugzeug treffen wir Dr. Norman Wilfred, Ehrengast der Fred-Toppler-Stiftung. In angenehm luxuriösem Ambiente soll er die jährliche Festvorlesung zu einem verquasten Thema seiner Wahl halten. Sehnsüchtig erwartet wird seine Ankunft von Nikki, patenter Assistentin der Stiftung, die sich zu Höherem berufen glaubt. Wenn es ihr nur gelingt, dass dieses Jahr niemand während des Festaktes einschläft, dann, so ist sie sich ganz sicher, wird sie zur Nachfolgerin des senilen Direktors auserkoren. Und wer weiß, vielleicht wartet auf dem von Intrigen beschwerten Weg dorthin noch ein amouröses Abenteuer mit Dr. Wilfred? Träumen darf man ja…
Ihren kühnsten Hoffnungen entspricht der Gast, den sie am Flughafen empfängt: zerzaustes Haar, melancholischer Blick, jünger als erwartet. Zu dumm, dass es sich dabei aber um den Salonlöwen Oliver Fox handelt, der die Gunst einer Kofferverwechslung nutzt, um sich als Dr. Wilfred auszugeben und sich damit galant zweier Affären zu entledigen. Bis dies in einem durchaus überraschenden Finale aufgelöst wird, entspinnt sich ein erfreuliches Verwirrspiel, bei dem ein erboster Dr. Wilfred, „eingebettete Intellektuelle“, dunkle Financiers und gehörnte Partnerinnen weniger hellenischen Bildungsidealen als den Regeln aristophanischer Farcen frönen...
Willkommen auf Skios spielt in einer Zeit ohne Brexit und Finanzkrise, als unsere einzige Sorge die Absurdität des Kulturbetriebs (und ganz vielleicht seine Querfinanzierung durch dunkle Geldtöpfe) war. Ein Schelm, wer dabei auch an die Documenta in Athen denkt…

Georg Zipp, 34 Jahre,