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josfritz Buchhandlung Freiburg
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Michael Lüders

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C.H. Beck Verlag , Taschenbuch , 176 Seiten

 14.95 €

 978-3-406-67749-6

 23. Auflage 2017

Wer den Wind sät

Was westliche Politik im Orient anrichtet

Dieses Buch ist eine faktenreiche Abrechnung mit der westlichen Politik, die im Nahen und Mittleren Osten eine Spur kriegerischer Verwüstung hinterlassen hat. Michael Lüders beginnt mit dem Sturz des demokratisch gewählten iranischen Premierministers Mohammed Moussadegh 1953 durch den britischen und US-Geheimdienst, weil jener die von Großbritannien kontrollierte iranische Erdölindustrie verstaatlicht hatte. Dieses Grundmuster westlicher Politik hat sich seit Jahrzehnten kaum verändert: Geopolitische Widersacher werden ausgeschaltet und Personen an die Macht gebracht, die westliche Interessen unterstützen, nicht zuletzt die störungsfreie Versorgung mit Erdöl und Erdgas. Ebenso wenig verändert sich der Vorwand: Die jeweiligen Herrscher – die Taliban, Saddam, Gaddafi oder Baschar al-Assad – seien unberechenbar, fanatisch, gefährlich und genössen so gut wie keine Unterstützung in der eigenen Bevölkerung.
Die Folgen einer solchen Politik erläutert Lüders in aller Klarheit. So legte die Allianz der US-Amerikaner mit den Saudis zur Förderung des Dschihad gegen die sowjetischen Besatzer in Afghanistan die Grundlagen für die Taliban und Al-Qaida. Im Irak führte zunächst in den 1990er Jahren das umfassende Wirtschaftsembargo der USA die Bevölkerung in Hunger und massenhaften Tod. Nach dem Sturz von Saddam Hussein 2003 trieb die US-amerikanische Besatzungspolitik die von ihnen entmachteten Sunniten, die sich einer rachsüchtigen schiitischen Zentralregierung gegenüber sahen, geradewegs in die Hände einer Aufstandsbewegung, aus deren Reihen der „Islamische Staat“ hervorging.
Der Autor weist nach: Mit seinen militärischen Interventionen schafft sich der Westen die terroristische Bedrohung zu einem erheblichen Teil selbst. Das führt zu weiteren Militäreinsätzen, und so wird die US-amerikanische Außenpolitik zum „endlosen Krieg“, in den sich die deutsche Politik im Namen der so genannten Bündnissolidarität bereitwillig hineinziehen lässt.
Lüders‘ kenntnisreiche Analyse kann ich mit allem Nachdruck empfehlen und zwar ganz im Sinne von Rosa Luxemburg: „Die revolutionäre Tat ist stets, auszusprechen das, was ist.“
Zur Einstimmung auf das Buch empfehle ich zusätzlich einen Vortrag, den Michael Lüders an der Deutsch-Amerikanischen Akademie in Heidelberg 2015 gehalten hat: Vortrag

Gabriele Winker,