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josfritz Buchhandlung Freiburg
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Jost Hermand

cover

Böhlau Verlag

 2004

Nach der Postmoderne

Ästhetik heute

Das Buch problematisiert die Verwendung des Präfixes  „POST“ in all seinen Varianten. Hermand analysiert, wo der Ursprung dieser scheinbar ästhetische Phänomene erklärenden Begriffe liegt und wie mit ihnen auf subtile Weise Denken und Handeln beeinflusst werden. Der Autor versteht das Buch als Informationsquelle, um an Hand der vier zentralen Begriffe Humanität, Haltung, Ästhetik und Kunst näher in die Materie einzudringen. Nun muss die Leserin, der Leser nicht befürchten, mit einer „Schnitzeljagd durch die Kunstgeschichte“ konfrontiert zu werden. Die gesellschaftlichen Probleme, die Hermand angeht aufzudröseln, sind nicht der Art, dass sie mit „Hesch gewüsst?“ oder „Wat könt wi daarvun bruken“ beantwortet werden können. Auch hilft es nicht, wenn (wehmütig) die Gedanken an die  MASCH (Marxistische Arbeiterschule: 1925 - 1933) aufkommen, die vielen Menschen in der damaligen Zeit Informationen bis hin zu Lebensalternativen anbot.

Ebenso wenig bietet das Buch einen Ersatz für die aktuelle Ausgabe eines Fremdwörterlexikons. Vielmehr ist es denen zu empfehlen, die nicht in das Wortgeklingel von „Postisten“ mit dem herbeianalysierten „Ende der Geschichte“ einstimmen wollen. Positiv in diesem Zusammenhang steht der Rückgriff auf rund 300 Jahre europäische Geschichte, die uns unter anderem wieder ins Bewusstsein rückt, wie ahistorisch heute TV und Radio Musik aus der Zeit der Leibeigenschaft und der Allmacht der Kirche darbieten. Der Autor hat uns angeregt, in entsprechender Fachliteratur nachzulesen und uns so zu vergegenwärtigen, welche humanen und antihumanen Tendenzen in diesem Zeitabschnitt das Leben bestimmten. Mit dem historisch-materialistischen Einstieg will Hermand belegen, dass das „Ende der Geschichte“ nur eine Philosophie ist (Posthistoire), die auf „Eindimensionalität“ abzielt. In Verbindung mit „Eindimensionalität“ ist auf einen weiteren belangvollen Begriff hinzuweisen, der „Journalisierung“ von Kultur- und Geistesgeschichte, nach Hermand die „Verheutigung der herrschenden Interessen...“. Hermand zeigt auf, wie sehr wir mittels bewusst gesetzter Begriffe, wie Postmoderne, Posthistoire und ähnlicher Postismen weggeführt werden vom humanisierenden Engagement zu einem Akzeptieren heutiger gesellschaftlicher Missstände.

Um der Komplexität von Hermand gedanklichem Ansatz gerecht zu werden, zitieren wir einige Kapitel- und Zwischenüberschriften:

Nach dem „Ende der Geschichte“
Die unabdingbare Form-Inhalt-Dialektik
Die Rolle der subjektiven Einfühlung
Der postmoderne „Modernismus“
Ansätze zu einer feministischen Ästhetik
Rückbesinnung auf die „Dritte Sache“

Bedeutsam für uns ist, das der Text nicht nur kunstgeschichtliche Belange abhandelt, sondern für eine Ästhetik der Stellungnahme, eine Ästhetik, die darauf drängt, hinter die Kulissen von Mainstream-Diskussionen zu schauen und aufzudecken, welche verschleiernden Absichten hinter ihnen stecken. Insofern hat dieses Buch sehr viel mit dem täglichen Leben und Lesen zu tun.
Wir möchten das Buch trotz Mängel empfehlen, da es Kriterien bietet, anhand derer die Manipulationen in heutigen Beiträgen zu Fragen der Gesellschaft und Kultur, zum Beispiel in Massenmedien wie Zeitungen, Fernsehen etc., einzuordnen und in einem größeren politischen Zusammenhang zu stellen sind.

Unter www.textem.de ist eine Rezension zum Buch nachzulesen.
Unter Wikipedia „Jost Hermand“ werden der Lebenslauf und die zahlreichen Veröffentlichungen vorgestellt.

K.-J. Steinmetz,

Titel ist leider vergriffen. Lieferbar als eBook-on-Demand, 49.90 €. Oder antiquarisch.