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josfritz Buchhandlung Freiburg
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Wolfgang Maderthaner
Lutz Musner

cover

Picus Verlag , gebunden , 120 Seiten

 9.90 €

 978-3-85452-582-0

Die Selbstabschaffung der Vernunft

Die Kulturwissenschaften und die Krise des Sozialen

In der von Wolfgang Maderthaner und Lutz Musner 2007 bei „Picus“ vorgelegten kleinen aber feinen Streitschrift Die Selbstabschaffung der Vernunft. Die Kulturwissenschaften und die Krise des Sozialen gibt bereits der doppelte Titel die Brisanz der verhandelten Thematik wieder. Mit ihrer Analyse der auch heute noch aktuellen Wissenschaftspraxis zeigen die Autoren gravierende Defizite im Kerngebiet der Kulturwissenschaften auf. Kritische Reflexion der gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Entwicklungen, wie bereits im Zuge der Aufklärung als zentraler Aspekt intellektueller Arbeit gefordert, verliert an Bedeutung.

Der wissenschaftliche Blick auf die gegenwärtigen Veränderungsprozesse, die sich in den Phänomenen Globalisierung, Massenkultur und neoliberaler Durchdringung der Lebenswelten manifestieren, ist nach Maderthaner und Musner geprägt von einer Selbstaufhebung kritischer Theorie. Sie konstatieren eine „Abkehr von Fragen sozialer Lebens- und wirtschaftlicher Herrschaftsverhältnisse“. Dies geht einher mit der Degradierung des Begriffs der „Gesellschaft“, die in den neu etablierten Konzepten nur mehr als bloßes Relikt einer vergangen Zeit firmiert. Der nun vorrangig verwendete Begriff der „Kultur“ modifiziert die wissenschaftliche Perspektive und die dazu gehörenden Fragestellungen grundlegend.

Tendenziell führt das neue Paradigma zur stärkeren Ausblendung sowohl des Sozialen als auch der gesellschaftsprägenden Relevanz ökonomischer und politischer Prozesse. Diese Veränderung verläuft geradezu parallel zu Margaret Thatchers berüchtigter programmatischer Aussage des triumphierenden Neoliberalismus: „There is no such thing as society“.    

Maderthaner und Musner fordern dagegen nachdrücklich, die „Elemente einer kritischen Kulturwissenschaft“ in der gesellschaftswissenschaftlichen Forschung nicht aus den Augen zu verlieren und sich mit gestärkter Aufmerksamkeit dem Empirischen zu widmen.

Marlies Heinz,