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Buchtipps für LeserInnen
Buchtipps für LeserInnen

Jörg Später empfiehlt: Biographien über Walter Benjamin und Hans Blumenberg

Die Biographie lebt. Einst als "Lüge" (Freud) oder "Illusion" (Bourdieu) oder altbacken (alle Sozialwissenschaftler) in die wissenschaftliche Mottenkammer verbannt, ist sie längst wiederauferstanden. Zum einen haben die guten biographischen AutorInnen längst die Lektionen über schlechten Biographismus gelernt (bei dem der allwissende Autor und die Küchenpsychologie dominieren). Zum anderen sind auch andere historische Erzählweisen nicht minder von Konstruktionsleistungen bestimmt, die nicht weniger unter das Bourdieusche Verdikt fallen. Vor allem aber verflüssigen biographische Erzählungen die großen Marker und Begriffe und brechen "die" Geschichte auf Erfahrungen und Handlungen herunter.

In diesem Sommer sind im Suhrkamp Verlag gleich zwei große Biographien erschienen, beide über Philosophen, beide sehr dick (das ist ein Nachteil des Genres), beide hervorragend in Form und Inhalt.

Howard Eiland / Michael W. Jennings

Waler Benjamin

Eine Biografie

Über Benjamin sind in den letzten acht Jahren allein vier Biographien erschienen. Überhaupt ist der vor 80 Jahren in den Pyrenäen gestorbene philosophische Schriftsteller inzwischen zu einem Che Guevara der ...

Suhrkamp Verlag  |   1021 Seiten  |   58.- €

Rüdiger Zill

Der absolute Leser.

Hans Blumenberg. Eine intellektuelle Biografie

Hans Blumenberg, der vor hundert Jahren in Lübeck geboren wurde, hat bei Geisteswissenschaftlern Kultstatus, obwohl er keineswegs berühmt war. Dazu hat er nicht unwesentlich selbst beigetragen, als er sich nach ...

Suhrkamp Verlag  |   816 Seiten  |   38.- €

Lesetipps von Julia Littmann

Oliver Sacks

Die feine New Yorker Farngesellschaft

Eine Reise nach Mexiko

Wenn der eigene Horizont über Monate verengt ist auf beharrliche Problemlagen, tut es manchmal gut, einen Moment lang einen anderen Film einzulegen, über den Tellerrand zu schauen, Herz und Geist mit anderem Input ...

Liebeskind  |   192 Seiten  |   20.- €

Tine Giacobbo und Katharina Sinniger

Suppenkochbuch

Wer freestyle kocht, braucht keine Kochbücher. Das "Suppenkochbuch" ist allerdings auch für Küchen-Freestyler hochgradig begehrlich. Klar sind regalbretterweise schöne und gute Kochbücher zu haben, aber dieses ...

Echtzeit  |   216 Seiten  |   44.- €

Ryoko Sekiguchi: Nagori

Um „Nagori" ins Deutsche zu übertragen, braucht es eine Paraphrase. „Die Sehnsucht nach der von uns gegangenen Jahreszeit" heißt der Essay von Ryoko Sekiguchi im Untertitel. Da es komplizierter ist, fängt es hier jetzt erst an. Es spricht für die Bodenständigkeit der Gedankengänge der 1970 geborenen japanischen Lyrikerin, dass sie ihren Ausgang in einem Bistro in Tokyo nehmen. Der Küchenchef Mitsuo Fujinaga servierte ihr bei einem ihrer Besuche in Tokyo ein Gemüse, das seine beste Zeit bereits hinter sich zu haben schien. „Mademoiselle, da ich sehr viel älter bin als Sie, weiß ich nicht, ob ich dieses Gemüse auch im nächsten Jahr noch genießen darf", sagte er zu ihr. Sekiguchi, die seit mehr als 20 Jahren in Frankreich lebt, geht es in diesem Buch also nicht zuletzt um das unser Leben bestimmende Paradox, im Zyklus der Jahreszeiten immer älter zu werden.

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Annette Hoffmann, freie Journalistin

Leanne Shapton

Gästebuch

Gespenstergeschichten

Ein Tennis-Wunderkind kollabiert nach jedem gewonnen Match und schreibt den Sieg einer unsichtbaren, nicht ganz wohlwollenden Existenz zu. Eine Frau kehrt mit einem seltsamen Gefühl von einer Besichtigung der ...

Suhrkamp Verlag  |   320 Seiten  |   24.- €

Uta Ruge

Bauern, Land

Die Geschichte meines Dorfes im Weltzusammenhang

Uta Ruge verwebt die Erinnerung an das Leben auf dem Lande in den 50er Jahren mit der genauen Beobachtung der Veränderungen in der Landwirtschaft heute, mit der Chronik des Dorfes, den welthistorischen ...

Kunstmann Verlag  |   480 Seiten  |   28.- €

Joni Seager

Der Frauenatlas
Ungleichheit verstehen: 164 Infografiken und Karten

Alice Schwarzer

Lebenswerk

Benjamin Moser

Sontag
Die Biografie

Rebecca Solnit

Unziemliches Verhalten
Wie ich Feministin wurde

Wolfgang Eilenberger

Feuer der Freiheit

Die Rettung der Philosophie in finsteren Zeiten (1933-1943)

Mit großer Erzählkunst schildert Wolfram Eilenberger die dramatischen Lebenswege der einflussreichsten Philosophinnen des 20. Jahrhunderts: Simone de Beauvoir, Hannah Arendt, Simone Weil und Ayn Rand. Inmitten der ...

Klett-Cotta Verlag  |   400 Seiten  |   25.- €

Eva von Redecker

Revolution für das Leben

Philosophie der neuen Protestformen

Der Kapitalismus verwertet uns und unseren Planeten rücksichtslos. In autoritären Tendenzen und rassistischen Ausschreitungen, in massiven Klimaveränderungen und einer globalen Pandemie zeigt er seine ...

S. Fischer Verlag  |   320 Seiten  |   23.- €

Helmut Böttiger

Celans Zerrissenheit
Ein jüdischer Dichter und der deutsche Geist

JJ Bola

Sei kein Mann
Warum Männlichkeit ein Alptraum für Jungs ist

Lydia Lierke / Massimo Perinelli (Hg.)

Erinnern stören
Der Mauerfall aus migrantischer und jüdischer Perspektive

Linus Giese

Ich bin Linus
Wie ich der Mann wurde, der ich schon immer war.

Orhan Pamuk: Orange

Das Buch liegt schon die ganze Corona-Krise über bei mir auf dem Nachttisch und ich blättere häufig des Lesens müde vor dem Einschlafen darin und begleite Orhan Pamuk für ein paar Momente durch die nächtlichen Straßen seiner Stadt, Istanbul ...

Ein Fotobuch von einem Romancier: Klingt eigentlich verdächtig, ging mir jedenfalls so, als ich letztes Jahr auf das erste Buch dieser als Trilogie angelegten Reihe gestoßen war. Aber dann nahm ich das in altmodischem Leinen gebundene Buch in die Hand und stellte fest, dass Gerhard Steidl als der Fotobuchverleger schlechthin wieder was Tolles entdeckt und umgesetzt hat.

In diesem ersten Buch, „Balkon", sind Bilder versammelt, die Orhan Pamuk von seiner Wohnung aus in Richtung Bosporus gemacht hat. Der Wunsch, anderen den täglichen (intimen) Blick aus der Wohnung auf die Welt kund zu tun, hat ja was Faszinierendes und Universelles, birgt in der Umsetzung aber häufig die Gefahr des Banalen und Beliebigen.

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Peter Platten - Hobbyfotograf und Leser

Christoph Biermann: Wir werden ewig leben

Manchmal mache ich mir gegen Ende eines Buches, das mir gut gefällt, Sorgen, wie die ersten Abende danach sein werden, ohne all die Figuren, die mir über Tage und Wochen nahegekommen sind sind. Bei „Wir werden ewig leben" von Christoph Biermann ist mir das erstmals auch bei einem Fußballbuch so ergangen. Weil sich der Untertitel „Mein unglaubliches Jahr mit dem 1. FC Union Berlin" schnell als wunderbar doppelbödig entpuppt, und Biermann die vermeintliche Glamourwelt des Profifußballs entzaubert, indem er uns Spieler, Trainer, Funktionäre, Mitarbeiter und Fans von Union bemerkenswert nahebringt.

Der renommierte Fußballjournalist durfte die Köpenicker für sein Buchprojekt über die gesamte vergangene Saison (auch) überall dort begleiten, wo der Zugang für die Öffentlichkeit sonst tabuisiert bleibt: in die Trainerkabine und in Teambesprechungen, im Bus und Mannschaftshotel. Dass und wie der Aufsteiger den von vielen nicht für möglich gehaltenen Klassenverbleib in der Bundesliga meisterte, bleibt trotzdem nur der äußere Handlungsstrang. Das Zentrum sind die Menschen, die das zusammen bewerkstelligen.

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Uli Fuchs arbeitet unter anderem als Texter und Autor - und in unterschiedlicher Weise auch für den SC Freiburg