Loading...
josfritz Buchhandlung Freiburg
josfritz Buchhandlung Freiburg

Im April 2020 wird die jos fritz buchhandlung 45; das können wir leider momentan nicht gebührend mit allen feiern.
Statt einer Geburtstagstorte, viel Sekt, Musik und Lesungen zum Jubiläum gibt es deshalb an dieser Stelle Buchtipps und Anekdoten von unseren Kundinnen und Kunden, die auf die Frage antworten: „Wie und wann habt ihr uns eigentlich kennengelernt?" Viel Spaß beim Lesen!

Grüße zum Geburtstag von Julia Littmann

„Politischer Buchladen" stand 1980 über der Buchhandlung bei uns um die Ecke, das gefiel mir, gelesen wurde allerdings vor allem in und aus der UB. Die Buchhandlung hieß Jos Fritz, und in meiner WG wurde ich als einzige Zugezogene von den Hiesigen belehrt, dass Jos Fritz einer der Initiatoren der Bundschuh-Bewegung, also ein Freiheitskämpfer gewesen war, und es war klar, dass es für uns nur diese Buchhandlung gab. In der dann auch seither so ziemlich alle Lockungen und Notwendigkeiten zwischen Buchdeckeln erstanden werden. Also käuflich erworben. Denn gleich in meiner allerersten studentischen Lesegruppe belehrte mich ungefragt einer, dass man alle wichtige Literatur bei Jos Fritz bekäme, aber dass man dort nicht klauen dürfe, weil: linker Buchladen.

Ich hatte eh gedacht, dass Bücher klauen irgendwie daneben ist. Unsicher war ich mir nur in puncto Raubdrucke. Und Raubdrucke waren zu der Zeit gang und gäbe – und eben viel erschwinglicher als die Originale. Aber dann stellte ich fest: auch mancher Raubdruck war im Jos zu haben. Das gibt's heute nicht mehr. Auch nicht, dass hier – wie zu der Zeit - Telefonketten gestartet oder versandende Telefonketten wieder in Gang gesetzt werden. „Politisch" steht auch nicht mehr drüber, aber drin ist es irgendwie doch noch. Und vom abgedrehten Gedicht bis zur soziologischen Abhandlung wird bis heute ein originelles Sortiment lockend ausgelegt. Und auch 40 Jahre nach dem allerersten Streifzug zwischen Jos-Fritz-Büchertischen gibt's verlässlich bereichernde Funde, ohne die eine nicht sein möchte. Lesen rockt ganz einfach, bei Bedarf tröstet Lesen auch, drängt, besänftigt, rührt auf oder an. Und es ist echt nicht egal, wo uns wer Bücher zeigt, hinhält, auslegt. Ich gratuliere euch und uns allen dazu, dass es euch gibt!

Julia Littmann empfiehlt:

Sigrid Nunez: Der Freund

Es liegt wirklich kein Etikettenschwindel vor, wenn ein Buch Der Freund heißt – und auf dem freundlich farbigen Umschlag sitzt eine schwarzweiße Dogge. Allerdings ist diese Dogge nicht DER Freund. Und sie ist gefühlt viel größer als auf dem Buchumschlag. In dem nur 233 Seiten schlanken Roman nimmt dieser Hund allein schon durch seine schiere Größe viel Raum ein. Der Freund auch. Er hat sich das Leben genommen, der lang Vertraute, und die ich-erzählende Schriftstellerin mäandert in Gedanken um den Tod und das Leben dieses Freundes, durch gemeinsam Erlebtes und nicht-Gelebtes, gemeinsam bedachte Thesen und Themen. Sie ist erinnernde Trauernde, aber auch ganz lehrende Literatin - und schreibende Beobachterin – für ihre ausstehende Veröffentlichung jedoch ist sie schreibblockiert. Dass in der Trostlosigkeit der Trauer der riesige Hund eine gleichfalls riesige Rolle einnimmt, dass auch er trauert, lässt schon der Klappentext ahnen. Wer nun also kein Hundemensch ist, greift möglicherweise gar nicht nach diesem Buch. Ein Fehler. Denn die sehr bewegliche, gedankliche Begegnung mit Leben und Tod und Trauer braucht in dieser Erzählung ganz einfach Apollo, diesen ungetümen Findelhund des Freundes.

[ mehr lesen ]

Bille Haag empfiehlt:

Anne Weber: Annette, ein Heldinnenepos

Mit den Jossen und Fritzen geht es mir ähnlich wie jetzt mit der Autorin Anne Weber, deren Heldinnenepos ich vorstellen will. Es ist, als würde ich sie schon lange kennen. In Wirklichkeit kenne ich nur die Buchladenmenschen schon lange, und ich weiß: Die will ich auf keinen Fall jemals entbehren, diese Einheit von Leuten, Büchern, Informationen und Fragen, von Geselligkeit und Einzelnen, lebbarem Widerspruch und Widerstand gegen Zugemutetes. Eine Freude in Eurem Buchladen zu sein! Und zum Geburtstag tröte ich Euch ein Ständchen auf dem Kamm. Bleibt mir gewogen! Ich Euch auch.
Eine Freude auch, Anne Weber zu lesen. Schon dreimal bei Euch gekauft und verschenkt.

Jetzt also ANNETTE. EIN HELDINNENEPOS
Im ersten flotten Bescheidwissen hab ich hingeschlenzt: was für ein blöder Titel! Dann aber gelesen. Und gelesen. Was für ein berührender, kluger, aufregender Text! Beim zweiten Lesen mehr Pausen eingelegt als beim ersten Verschlingen.
Nun, vorneweg, noch mal hingeschlenzt: Ein Heldenepos ist Männersache, schon auch mit Frauen, geht ja nicht ohne. Im Epos hält sich der Erzähler bedeckt, tritt höchstens am Ende selbst auf, verbirgt sich ansonsten im allwissenden, kommentierenden „Wir", hinter der großen Geschichte, in dem Raum, der den Helden umgibt.

 

[ mehr lesen ]

Katharina Knüppel empfiehlt:

George Eliot: Middlemarch

Zum 45. Geburtstag, liebe jos fritz Buchhandlung, die allerbesten Glückwünsche, und dazu ein Buchtipp, der auch eine Art Geburtstagsgeschenk ist: Zum 200. Geburtstag von George Eliot hat der Rowohlt Verlag im letzten November eine Neuübersetzung von Middlemarch herausgegeben, dem 1874 erschienenen Hauptwerk der Autorin.

Allen, die noch zögern, den Roman endlich zu lesen, sei versichert: Die anfänglich größte Hürde – seine 1300 Seiten – erweist sich als das größte Geschenk! Mehr Seiten heißt nämlich: mehr Zeit mit den wunderbaren Charakteren in der fiktiven englischen Provinz zu verbringen, von deren Lebensläufen, Liebeswirren und leidvollem Scheitern Eliot erzählt. Im Zentrum stehen die zauberhafte Dorothea Brooke, eine junge Frau, die mehr vom Leben will als in die ihr zugewiesenen Rollenbilder passt und die leidenschaftlich nach Bildung und Erkenntnis strebt, und der nicht minder tatendurstige Tertius Lydgate, ein ehrgeiziger Arzt, der in der Ehe mit der Unternehmerstochter Rosamund eine ebenso große Herausforderung erlebt wie mit dem Aufbau eines neuen Spitals für Fieberkrankheiten.

[ mehr ]

Rita Lamm empfiehlt:

Eine Anekdote zum 45.

Eine kleine Geschichte zum Geburtstag!
Lockdown, nordfriesische Schafe und das Jos Fritz
Mitte März, kurz vor dem sogenannten Lockdown war ich mit einer Freundin für eine kurze Auszeit in St. Peter Ording. Für unsere Heimfahrt hatten wir schon ein Bahnticket gebucht. Wir wollten Montagmorgen zurück nach Freiburg fahren. Die Bahnstrecke nach Husum wurde gerade repariert und ein Schienenersatzverkehr, also Bus sollte uns nach Husum bringen. Wir waren pünktlich am Bahnhof und standen frierend im frischen Nordwind. Ein Linienbus kam, drehte eine Runde auf dem Vorplatz und fuhr dann weiter. Nach gut einer halben Stunde war immer noch kein Bus, der uns nach Husum bringen sollte, in Sicht. Stattdessen kamen zwei weitere Urlaubsgäste mit großen Koffern, Ostfriesennerz und Gummistiefeln an den Bahnhof. Nach einer weiteren halben Stunde gemeinsamem Warten und den Befürchtungen eines auf uns zu kommenden Lockdowns ahnten wir, dass es an diesem Montagmorgen keinen Bus nach irgendwo geben würde und wir alle weiteren Verbindungen nicht erreichen würden. So beschlossen wir uns ein Taxi zu rufen. Koffer und Gummistiefel wurden verladen, wir stiegen alle ein und los ging die Fahrt nach Husum. Von dort aus hatten wir alle die Möglichkeit nach Hamburg zu kommen und dann weiterzureisen. Unsere Mitreisenden wollten nach Hause nach Duisburg.
Eng gedrängt saßen wir zu dritt im hinteren Teil des Taxis und kamen ins Gespräch. Es stellte sich heraus, dass der Mann neben mir, er sah irgendwie aus wie ein alt Achtundsechtziger, mit wirrem Haar und Brille, ein Freund der Literatur und des Schreibens war. Sein Koffer sei voller Bücher, die er in den letzten Wochen gelesen habe, erzählte er. Wir sprachen über dies und jenes Buch und dann sagte er:
„In Freiburg gibt es doch diese tolle Buchhandlung, das Jos Fritz!" und bekam ganz leuchtende Augen, „die möchte ich schon immer mal besuchen."
„Ja, das Jos Fritz ist toll!", sagte ich. Und so fuhren wir durch kleine Ortschaften vorbei an Wiesen mit grasenden Schafen und schwärmten von Euch!
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag liebes Jos Fritz-Team.

Dietrich Roeschmann empfiehlt:

Den Jos Fritz Buchladen kenne ich, seitdem ich im Sommer 1986 nach Freiburg kam. Neben dem Gottlieb Supermarkt in der Sundgauallee, wo wir als WG einkauften, war es einer der ersten Läden überhaupt, in die ich hineinstolperte, auf der Suche nach Foucaults „Sexualität und Wahrheit", in dem noch heute eines dieser schönen, schlanken Lesezeichen steckt, die Lothar Leininger damals entworfen hatte – wie übrigens auch das großartige, noch heute aktuelle Jos-Fritz-Logo –, und den ich als Grafiker sehr bewunderte. Ein paar Jahre später gehörte Jos Fritz dann plötzlich 24/7 zu meinem Leben, ich jobbte im Café nebenan, wohnte in der WG direkt über dem Laden, mit Blick in den Innenhof über den Oberlichtern, das Philosophieregal gewissermaßen direkt unter meinem Kopfkissen. Irgendwann zog ich dann aus dem Grün weg, aber wenn ich heute die Klinke der Ladentür drücke, ist dieses Gefühl des Nachhausekommens immer präsent. Ich freue mich, euch zu sehen, über eure Tipps, die große Vertrautheit – und über eure Liebe zu dem was ihr tut, welche einen von den wechselnden Themenschaufenstern bis zu den für einen großen, breit ausdifferenzierten Lesehunger angerichteten Menüs auf den Tischen begleitet. Das ist toll. Ich wünsche euch alles Gute!

Liv Strömquist

Ich fühl's nicht

Die schwedische Zeichnerin Liv Strömquist beschäftigt sich schon seit langem mit den Dynamiken von Beziehungen, mit Mythen der Liebe und Fragen der Objektwahl im Spätkapitalismus, extrem unterhaltsam und scharf ...

Avant Verlag  |   176 Seiten  |   20.- €

Julia Voss

Hilma af Klint

»Die Menschheit in Erstaunen versetzen«

Sie war der Star des internationalen Kunstfrühlings 2019: Hilma af Klint (1862–1944), Malerin mit Hang zur Theosophie und offen für Stimmen aus einer anderen Welt, bescherte dem New Yorker Guggenheim Museum im ...

S. Fischer Verlag  |   600 Seiten  |   25.- €

Caroline Günther empfiehlt:

Sibylle Berg geht immer. Und hilft immer. Mir zumindest. Bei Rosa-Brillen-Laune erdet sie mich. Bei misanthroper Stimmung bestätigt sie mich. In Corona-Krisenzeiten unterhält sie mich. Vielleicht war es intuitiv, dass ich vor drei Wochen alle Bücher von Sibylle Berg, die noch nicht in meinen Regalen standen, auf einen Schlag gekauft habe. Vielleicht war es blinder Konsumwahn. Egal: Jetzt retten sie mich über die Tage des Social Distancing. Nicht die Menge macht es aus - auch wenn ich einige Tage beschäftigt sein werde, bis ich sie alle durch habe. Es ist die typische Sibylle-Berg-jetzt-mach-endlich-die-Augen-auf-und-schau-dir-die-Sch...-haargenau-an-Art, die so gut zur aktuellen Lage passt.

 

 

März 2020. Corona kommt in Deutschland an. In Freiburg wird das gesellschaftliche Leben auf Eis gelegt, mein Café geschlossen. Ich lese Ende gut. Und lese von einem Weltuntergang. Von Städten, die abgeriegelt werden. Von Menschen, die an mysteriösen Krankheiten sterben. Vom Zusammenbruch eines Sytems.

Der Titel lässt sich auf zwei Arten lesen. Im Sinne von „Ende gut, alles gut" - auch der Inhalt gibt das mit etwas Gutwillen her. Und im Sinn von „Ende, gut!". Zum Glück ist es vorbei. Was genauso zutrifft. Irgendwie beruhigt es mich, Szenen, die ich auf der Straße live erlebe, vorher gelesen zu haben. Auch wenn es sich dabei um einen Systemcrash handelt. Die Verrohung der Menschen kommt nicht so unerwartet. Und auch nicht das Ende. Gut. Als nächstes werde ich mich Sex 2 widmen - bevor die Sehnsucht nach zwischenkörperlicher Befriedigung zu groß wird, mit Misogynie, hegemonialer Männlichkeit und sexualisierter Gewalt gegenarbeiten. Und im Anschluss dann noch was gegen die Reiselust tun durch die Lektüre von Wunderbare Jahre. Als wir noch die Welt bereisten. Sibylle Berg geht immer. Und hilft immer. Auch und gerade in Corona-Zeiten.

 

 

Als Gender-Studierende stößt man sehr schnell auf die Jos Fritz Buchhandlung. Welcher Buchladen sonst brennt so für Subkultur und Mainstreamkritik wie die Jos Fritzler*innen. Caroline Günther hat sie 2001 für sich entdeckt. Seither ist die Buchhandlung nicht mehr wegzudenken aus ihrem Leben. Es gibt wenig Schöneres als
einen Laden zu betreten und begrüßt zu werden mit: „Caro, ich hab da ein super Buch gelesen und dabei sofort an dich gedacht." Unersetzbar ist das und wunderschön dazu.

Caroline Günther liest viel und gern und das lange schon, zeitweise professionell, momentan aus purer privater Freude. Ihre Lieblingsautor*innen sind Sibylle Berg und Anke Stelling.

Sibylle Berg

Wunderbare Jahre

Als wir noch die Welt bereisten

Wie war die Welt, als wir noch Fernweh hatten?

1. Januar 2016. Sibylle Berg ist in Tel Aviv, Familienbesuch – und draußen knallt es. Sind das Böller? Nein. Es ist ein Anschlag. Sibylle Berg ist viel auf ...

dtv  |   192 Seiten  |   10.90 €

Sibylle Berg

Sex 2

Sibylle Bergs zweiter Roman Sex 2 ist ein provozierender, beklemmend-faszinierender Clip. Vierundzwanzig Stunden in einer Großstadt, vierundzwanzig Stunden Schwarz in Schwarz: Männer und ...

Reclam  |   200 Seiten  |   10.- €

Reyhan Sahin

Yalla, Feminismus!

Feminismus setzt sich aus vielen Strömungen zusammen und weist unterschiedliche Komponenten auf, je nach dem wer sich wann und wo vor welchem Hintergrund über was wie äußert. Feminismus gibt es nur im Plural. Und ...

Tropem  |   316 Seiten  |   20.- €

Adeline Deudonné

Das wirkliche Leben

Die Ich-Erzählerin ist zehn Jahre alt, als ein tragischer Unfall ihr Leben und das Leben ihres jüngeren Bruders Gilles von Grund auf verändert und einen Keil in die einst belastbare Geschwisterbeziehung treibt. ...

dtv  |   240 Seiten  |   18.- €

Harald Herrmann empfiehlt:

JOS FRITZ kenne ich als Buchladen seit 1978, da waren die Mitarbeiter noch stark mit der Weltverbesserung (im Grün) beschäftigt und es wurde grundsätzlich mit niemandem geredet, den man nicht kannte.

So also auch nicht mit meinem Freund Bernd und mir, die regelmässig kartonweise Bücher aus dem Laden heraustrugen und diese dann auch noch an der Hochschule verkauften.

Interessanterweise brachte man uns "absolutes Vertrauen" entgegen, keine Quittung, keinen Rechnungsnachweise-alles zu bürgerlich wahrscheinlich. Auf jeden Fall sind wir da max. jede Woche eingelaufen und haben Bücher mitgenommen und Geld dagelassen. Im heutigen Jos Fritz Cafe agierten damals noch sehr finstere Gestalten, lange Haare, überbärtig und absolut klandestin. Die Mitarbeiter der Medienwerkstatt/Gründungsmitglieder.

Das ging eigentlich so bis Anfang der 80er Jahre, in diesem Zeitraum wurden wir dann auch mal nach unseren Namen gefragt. Aufgefallen aber sind wir einfach dadurch, dass wir in dieser Zeit die meisten Bücher verkauft hatten.

Theweleit hatte gerade sein monumentales Werk MÄNNERPHANTASIEN geschrieben, im Schaufenster das Bild vom Cover. Ansonsten florierte der Raubdruckmarkt, Bücher, die man auch bei Jos Fritz kaufen konnte.

Interessanter Weise gab es genau hinter der noch sehr improvisierten Theke ein ganzes Regal voller bunter Bücher der DieterrichsReihe (auch da war Jos Fritz schon der Zeit ein wenig voraus-gedanklich).

Heinz hat sich schon damals dafür entschuldigt, dass Bücher etwas kosten...

Es ist also eine sehr alte Liebe zu dieser Buchhandlung, unterbrochen eigentlich nur durch meine 10jährigen Kölnaufenthalt.

Manchmal war ich auch ganz schön genervt, weil Ihr einfach nicht das hattet, was bei mir auf dem Zettel stand (Lyrik z.B.). Aber dann kam die Bestellmöglichkeit und damit auch ein gewisses Rückgaberecht. Das geniesse ich bis heute, Eure Freundlichkeit auch, immer für einen Zwischenruf gut...
In Eurem Verlag habe ich schon etliches publiziert, was mir immer wichtig war. Buchzeichen würde ich gerne mal wieder machen, man weiss einfach nicht, wie lange man noch lebt.

nicht unerwähnt will ich noch lassen, dass ich wahrscheinlich der einzige Kunde von Euch bin, der regelmässig kurz vor Weihnachten mit einem Kuchen vom Colombi bei Euch reinschaut....

 

 

Die Jesus Trilogie vom J.M. Coetzee

J. M. Coetzee

Die Kindheit Jesu

J.M. Coetzee

Der Tod Jesu

J. M. Coetzee

Die Schulzeit Jesu

Es gibt ein Buch von Louis Paul Boon „Abel Gholaerts", eine Biografie über Vincent van Gogh, in dem der Name van Gogh, die Figur, wie wir sie mit dem Namen verbinden, mit keinem Wort vorkommt.

So auch bei der faszinierenden Trilogie J.M. Coetzee. Von Jesus als Namensträger keine Spur. Keine Heilsgeschichte, kein Evangelium.

Die Frage, die diese Autoren auf sehr unterschiedliche Weise stellen, ist, ob jemand eigentlich in seiner eigenen Biographie vorkommt, oder ob das nicht alles fiktiv ist, sich sozusagen selbst erfindet. (oder schlimmer noch: erfunden/angedichtet wird...)

Bei Coetzee verbindet sich seine sprachliche Raffinesse mit einer Handlung, die einfacher nicht sein kann: Alle seine Figuren sind aus dem Leben gefallen (und zunehmend ins Leben), suchen Ort und Bestimmung. Der Träger einer Bedeutung ist nicht die Bedeutung. Coetzee kann dies auf fast 1000 Seiten (für alle 3 Bücher) mit einer geradezu dauerhaften Dialogbereitschaft seiner Figuren unterstreichen. Der Leser wird so zum Zuhörer, zum Mithörer und Zeugen zunehmender Ungeheuerlichkeiten. Eigentlich ist es ein Buch über das Entgleiten von Sicherheiten, eine Weltenunruhe. Es geht um Wort und Offenbarung, das Loch, das sich in der Textur des Seins aufgetan hat, in der Dunkelheit der Botschaft.

Wie ein roter, brüchiger, zu befragender Faden zieht sich das Buch über Don Quijote durch die 3 Bücher, als Zumutung und als Beleg.

Es gibt ein Bild, gemalt von Honoré Daumier (er hat einen ganzen Zyklus zu Don Quijote gemalt. Er wollte Maler werden, wurde „nur" als Lithograf anerkannt, malte dennoch erschütternd wahrhaftige Bilder, alles ein wenig im Verborgenen, sogenannte kleine Formate. Hat sich also selbst zum Maler gemacht...er könnte eine Figur von Coetzees Romantrilogie sein), dieses Bild von Don Quijote zeigt den Ritter auf seinem Pferd, den Hintergrund bildet, wie fast immer, Sancho Panza. An diesem Bild ist bemerkenswert im Zusammenhang mit Coetzee, dass Don Quijote kein Gesicht hat, eine Leerfläche in einer Form, die begangen werden kann durch den Betrachter wie das Buch den Zuhörer sucht der gesprochenen Sätze.

Und es gibt einen weiteren Beleg für Coetzees Schreiben. Ein Bild von Adam Elsheimer „Flucht nach Ägypten", ein nur von einem riesigen Sternenhimmel erfasstes Geschehen der (heiligen) Familie auf der Flucht, die Verlorenheit unter einem beleuchtenden Schwarz. In Coetzees Romanen ist die Familie keine Familie, der dafür auserwählte Sohn nicht der Sohn. Sterne aber, die sichtbaren und die unsichtbaren, Zahlen, Bodenlosigkeit und Gravitation, Exil und Ankunft, das alles spricht sich in seinem Schreiben aus. Eine Waise sein.

Coetzee berührt mit seine Büchern auf merkwürdige Weise die Gegenwart, er könnte die Jesustrilogie allen Exilierten dieser Welt widmen.

Dieses starke poetische Bild: „In den Jesus Romanen erschafft Coetzee eine sprachliche Prairie, die wüstenähnlich in seine Lesenden hineinwächst" müsste genau umgekehrt formuliert werden: die Prairie der Lesenden wächst wüstenähnlich mit dem Schreiben von Coetzee. Coetzee erschafft Räume,
die er mit Jesus um-schreibt. Seine Leistung besteht darin, dass er diesem Bezeichnen nicht nachgibt.

Ursula Hellerich empfiehlt:

Meine Geschichte mit Jos Fritz ist eine Liebesgeschichte in mehrfacher Hinsicht: Einer Ihrer Mitbegründer war meine Schul- und Jugendliebe Walter Marx. Mit ihm bin ich - in einem NSU Prinz! – zum Studium nach Freiburg gereist. Später haben wir uns aus den Augen verloren, Walter Marx ist nach Berlin gegangen, Jos Fritz aber glücklicherweise hier geblieben!

Olivia Wenzel

1000 Serpentinen Angst

Liebe Freundinnen und Freunde von und bei Jos Fritz!

Von meiner Lieblingsbuchhandlung in der Wilhelmstrasse frisch an die Wohnungstür geliefert lese ich momentan: Olivia Wenzel: 1000 ...

S. Fischer Verlag  |   352 Seiten  |   21.- €

Amos Oz

Judas

In den Passionserzählungen der Evangelien spielt er eine tragische Rolle: Judas, der Mann aus Karioth. Die Tradition der Kirche sieht in ihm Verrat und Niedertracht verkörpert. So wurde er zur Blaupause für ...

Suhrkamp Verlag  |   331 Seiten  |   12.- €

Michail Bulgakow

Meister und Margarita

In Der Meister und Margarita von Michail Bulgakow treffen wir nicht nur auf Woland, den Teufel in Moskau und den Kater Behemoth, sondern in dazwischen eingefügten Kapiteln auf den ...

dtv  |   608 Seiten  |   12.90 €

Buchtipps von LeserInnen auf einen Blick:

Anke Stelling

Schäfchen im Trockenen

Matthias Brandt

Raumpatrouille
Geschichten

Dror Mishani

Drei

Jens Mühling

Schwere See
Eine Reise um das Schwarze Meer

Karen-Susan Fessel: In die Welt

Nach mehr als drei Jahrzehnten in Berlin legt Nell ein Sabbatjahr ein und zieht in die norddeutsche Kleinstadt, in der sie ihre Jugend verbracht hat – und in der ihre Mutter heute noch lebt. Aber eigentlich ist Nell auf der Flucht – vor ihrer eigenen Vergangenheit.

Ihre große Liebe Irma hat sich nach fast zwölf Jahren überraschend von ihr getrennt, und seitdem hat Nell das Gefühl, dass die Zeit ihrer Mutter bald abläuft, und ihre eigene ebenfalls. Wo soll sie leben, wenn sie alt ist, und mit wem? Vielleicht ist es doch besser, zu den Wurzeln zurückzukehren, in eine Stadt, in der sie kaum jemanden noch kennt, in der sie aber ein Gefühl von Heimat empfindet.

Jess Jochimsen empfiehlt:

Ich kenne das Jos Fritz seit dem Tag im Sommer 1991, an dem ich von München nach Freiburg gezogen bin und mit der verwegenen Frage den Laden betrat, ob ich hier – parallel zu meinem geplanten Studium – eine Ausbildung zum Buchhändler machen könne. Das war im Jos Fritz Antiquariat und Wolfgang hat mich damals zumindest nicht gleich ausgelacht, was ich ihm bis heute hoch anrechne. Geklappt hat das natürlich nicht. Statt Buchhändler bin ich so Buchkäufer bei euch geworden. Und seit ich selber Bücher schreibe, seit ihr es, die meine Werke immer im Regal habt und meinen Online-Verkauf organisiert, damit es Amazon nicht machen muss. Dafür kann ich nur von Herzen danken. Leben sollt ihr, hoch und lang! Alles erdenklich Gute zum Geburtstag.

 

Hier geht es zum Video mit allen Buchbesprechungen der drei Bücher

Simone Lappert

Der Sprung

Erri De Luca

Fische schließen nie die Augen

Katja Oskamp

Marzahn, mon amour
Geschichten einer Fußpflegerin

Jürgen Lodemanns Geburtstagsgruß und Buchtipp:

Wie ich zu Jos-Fritz kam? Das lief damals ab im Wirbel um und nach 1968, da weiß ich als gestresster TV-Mann nur noch, dass Freiburg neben dem Ruhrgebiet Schwerpunkt war für meine Lesungen, sogar das Ruhrdeutsche konnten Freiburger nicht genug hören, viele kamen damals ja selbst aus dem Revier, ich galt gar als "hinreißender Leser" und die BZ unter Jörder und Fürst druckten damals fast alles von mir, tolle Zeiten, ach. Und Jos Fritz wurde unbestritten zur sturmfesten Bude beim Bahnhof.

Robert Macfarlane

Im Unterland

Eine Entdeckungsreise in die Welt unter der Erde

Längst hatte man gedacht, der Planet Erde sei perfekt entdeckt. Erdkarten zeigen im 21sten Jahrhundert keine weißen Flächen mehr, alles gilt als erforscht und beschrieben. Der englische „Naturschriftsteller" ...

Penguin  |   560 Seiten  |   24.- €