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josfritz Buchhandlung Freiburg
josfritz Buchhandlung Freiburg

Katharin Höftmann Ciobotaru

cover

Ecco Verlag , gebunden , 416 Seiten

 22.- €

 978-3-7530-0000-8

 23.03.2021

Alef

Ich hatte 195 Seiten fertig. 195 Seiten das falsche Buch. Und als ich im April 2019 im Tel Aviver Café »Mersand« saß, gab ich das endlich zu. »Du musst doch deine Geschichte erzählen, der Übertritt zum Judentum, Deutschsein und Jüdischwerden, das ist doch das viel spannendere Thema!«, rief meine Freundin Mirna, ebenfalls Schriftstellerin, mir aufgebracht zu. Und ich wusste, dass sie recht hatte. Denn von Anfang an hatte sich das andere Buchprojekt niemals so ganz richtig angefühlt. Da war ein Zweifel. Ein Zweifel, der plötzlich verschwand, als ich mir eingestand, dass ich die falsche Geschichte erzählte. Doch die Sache ist die: Ich wollte nie einfach nur »meine« Geschichte erzählen. »Meine« Geschichte kommt mir nicht wichtig genug vor. Meine Geschichte ist nur meine Geschichte, wo ist da das Große? Wo ist da die Kunst? Und außerdem: Wenn ich meine Geschichte erzähle, verliere nicht nur ich meine Geheimnisse, sondern auch all diejenigen, die diese Geschichte mit mir gelebt haben.

Darf ich das? Kann ich das? Muss ich das, um ein wirklich gutes Buch zu schreiben? Ich versuche mich an einer Antwort: Alef ist mein Meilenstein. Mein erster literarischer Roman. Er ist im Grundgedanken meine Lebensgeschichte und die meiner deutsch-israelischen Familie, und im Detail ist er pure Fiktion. Die Frage, wie viel an Alef wahr ist und wie viel erdacht, wurde für mich im Laufe des Schreibens immer unwichtiger. Ich habe mit Alef einfach die echteste Geschichte erzählt, die ich erzählen konnte. Eine Geschichte von Liebe, Verlust, Herkunft, Heimat, Schuld und zwei Völkern, die miteinander in Schmerz und Hoffnung verbunden sind. Eine Geschichte, die so wahr ist, dass es egal ist, was an ihr wahr ist.