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josfritz Buchhandlung Freiburg
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Roman Voosen
Kerstin Signe Danielsson

cover

Kiepenheuer & Witsch Verlag , Taschenbuch , 378 Seiten

 9.99 €

 978-3-462-04449-2

 19.09.2012

Später Frost

Der erste Fall für Ingrid Nyström und Stina Forss

Krimis gibt es wie Sand am Meer, vor allem aus Schweden. Aber hin und wieder findet sich unter dieser Masse ein kleines Juwel. Die Krimireihe des deutsch-schwedischen Autor*innenpaares Kerstin Signe Danielsson und Roman Voosen ist so ein Juwel. Natürlich spielt alles in Schweden. Die südschwedische Provinz Småland und deren kleine Universitätsstadt Växjö bilden das Zentrum der Erzählungen um das weibliche Kommissarinnen-Duo Stina Forss und Ingrid Nyström. Und das ist bereits die erste Besonderheit. Denn die Zahl der Krimis mit Frauen in den Hauptrollen, egal ob Buch oder Film, sind so rar, dass diese Krimireihe (leider) immer noch hervorsticht. Da steht die junge und impulsive Deutsch-Schwedin Forss, die frisch aus Berlin in der schwedischen Kleinstadt ankommt, der erfahrenen Hauptkommissarin Nyström gegenüber. Nyström wurde gerade unerwartet zur Chefin der Abteilung befördert und ringt täglich mit dieser für sie neuen Position und vor allem mit den an sie gestellten Erwartungen. Beide Kommissarinnen lernen sich im ersten Band kennen und müssen lernen, miteinander umzugehen. Faszination und Irritation wechseln sich ab, wenn beide aufeinandertreffen.

Den Autor*innen Voosen und Danielsson gelingt es, beide Frauen eindringlich mit ihrer jeweiligen Geschichte zu beschreiben, beruflich wie privat. So kann man Ingrid Nyström dabei zusehen, wie sie versucht, mit dem Comingout ihrer lesbischen Tochter möglichst entspannt umzugehen; im ersten Band gelingt ihr das kaum und sie ärgert sich über ihre eigene Spießigkeit. Stina Forss hingegen hat ganz andere Sorgen: Ihr Vater liegt in einem Altersheim in der Nähe, aber sie scheut einen Besuch. Die Auflösung dieses Konfliktes zieht sich spannend und überraschend durch die gesamte Reihe. Und dann steht auch noch ihr Exfreund aus Berlin unerwartet vor der Tür. Aber nicht nur die beiden Frauenfiguren machen Lust auf die Krimireihe. Auch alle anderen Personen im Ermittlungsteam werden gut und individuell in Szene gesetzt und charakterisiert. Vom ersten Mordfall soll hier nicht zu viel verraten werden. Nur eins: Auch dieser sticht aus der Masse der Schwedenkrimis heraus. Der alleinlebende Schmetterlingsforscher Balthasar Frost wird verstümmelt und mit abgetrenntem Finger in seinem Gewächshaus tot aufgefunden. Das ungleiche Kommissarinnen-Duo macht sich an die Arbeit und verfolgt Frosts Spuren zurück bis ins Jerusalem des Jahres 1948. War Frost vielleicht ein Geheimagent, der noch eine Rechnung offen hatte.

Lina Wiemer-Cialowicz, gebürtige Berlinerin, zog es vor 13 Jahren zum Studium nach Freiburg. Ihr Geld für Bücher und andere schöne Dinge verdient sie als Referentin für Gleichstellung an der hiesigen Universität. Außerdem tritt sie für die Grüne Alternative Freiburg bei der Kommunalwahl Ende Mai an.