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josfritz Buchhandlung Freiburg
josfritz Buchhandlung Freiburg

Alison Bechdel

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Aus dem Amerikanischen von Thomas Pletzinger und Tobias Schnettler.
Kiepenheuer & Witsch Verlag , gebunden , 304 Seiten

 22.99 €

 978-3-462-04618-2

 10.04.2014

Wer ist hier die Mutter?

Alison Bechdel ist in die Geschichte eingegangen mit dem nach ihr benannten Test, der mit drei einfachen Fragen die Präsenz und Repräsentation von Frauen in Spielfilmen skandalisierte. Diese erhellende Sicht auf die Kulturindustrie – locker übertragbar auf andere Formate – (kommen mindestens zwei Frauen mit Namen vor? / reden die Frauen miteinander? / und reden sie über anderes als Männer?) brachte Bechdel 1985 in ihrer Comic Strip Serie Dykes to watch out for in die Welt. Bechdel selbst erklärte später beharrlich, dass sie diese Idee damals von ihrer Freundin Liz Wallace geklaut hatte – und über die Jahre gelang es ihr, dass sich zumindest in feministischen Quellen die Nomenklatur „Bechdel-Wallace Test" verbreitete.
Auch das ist ein Grund, warum ich ein großer Fan von ihr bin. Wie viele Europäer*innen, habe ich Bechdel erst 2008 entdeckt, als auf dem deutschen Markt ihr Comic-Roman Fun Home erschien – ein Portrait ihrer Familie, im Untergrund der Geschichte dominiert ihr Vater, der sein Schwulsein nicht leben kann. Vier Jahre später verschlang ich dann ihren – theoretischer angelegten – Roman über ihre Mutter: In Are You My Mother? reflektiert und dokumentiert Bechdel ihre Versuche, diese komplexe Beziehung zu entschlüsseln.
Erst als vor ein paar Jahren in meiner gut sortierten Lieblingsbuchhandlung der Sammelband von Dykes to watch out for ausgelegt war, entdeckte ich Bechdels Serienuniversum über eine lesbisch-feministische Community in einer US-Unistadt. Bechdel stellte ihre Protagonistin Mo (optisch jedenfalls ein alter ego) Mitte der 80er Jahre in die Welt. Auch in Freiburg war da zum ersten Mal in der Geschichte der Stadt eine draußen sichtbare Lesbenszene unterwegs, die es sich sogar erlauben konnte, in unterschiedlichen Fraktionen aufzutreten. Bechdels „Dykes" ist eine lang angelegte Erzählung, die uns bis in die queerfeministischen 00er Jahre bringt. Eine Zeitreise in den Feminismus und andere US- und Weltgeschichten. Bechdel legte die Serie 2008 beiseite. Wie bei jeder guten Serie, trauerte ich auf dem Sofa, dass es nicht weiter ging.

Vor etwa 2 Jahren hat Bechdel den Faden wieder aufgenommen und veröffentlicht seither in der Zeitschrift Seven Days immer mal wieder eine Episode der Dykes. Season Trump: Pieces de resistance.

Birgit Heidtke erforscht, schreibt und erzählt seit 1990 Frauen*geschichte. Seit 2013 im Verein mit anderen und auf der Suche nach neuen Formaten, in der Feministischen Geschichtswerkstatt Freiburg.