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josfritz Buchhandlung Freiburg
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Brian K. Vaughan

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Aus dem Englischen von Sarah Weissbeck
Cross Cult Verlag , gebunden , 144 Seiten

 22.- €

 978-3-95981-140-8

 März 2017

Paper Girls 1

Der Comic Paper Girls beginnt wie ein typisches Teenager-Abenteuer: Vier Mädchen, alle um die zwölf Jahre alt, tragen am frühen Morgen nach Halloween Zeitungen aus. Allein das bringt schon genug Ärger – Zeitungen austragen war in den USA der 1980er eine Männerdomäne, es gab vor allem Paper Boys. Und wie überall sind die Mädchen auch hier Übergriffen ausgesetzt, denen sie sich aber gemeinsam und solidarisch zu erwehren wissen. Doch innerhalb kürzester Zeit sind die Paper Girls mit ganz anderen Problemen konfrontiert: Nachdem sie sich auf ihrer Tour in einem Keller versteckt haben, sind plötzlich sämtliche Menschen verschwunden. Was es mit dem apokalyptischen Szenario genau auf sich hat, warum es dabei auch um einen bizarren Generationenkonflikt über die Grenzen von Raum und Zeit hinweg geht und welche rätselhafte Rolle die Produkte von Apple darin spielen, das begreift man ebenso wie die Heldinnen mitnichten sofort – was das Lesevergnügen und das Suchtpotential aber nur steigert. Atemlos folgt man der Geschichte der Zeitreisenden und amüsiert sich über die vielen augenzwinkernden Anspielungen auf Politik und Popkultur. Brian K. Vaughan beweist hier einmal mehr, dass er ein Meister des verschachtelten Story Tellings und grandioser Charakterzeichnungen ist. Die vier Paper Girls sind grundsympathische Heldinnen, die feministischer nicht sein könnten. Zwischen Teenage Angst, Akte X und Flugsauriern übt Vaughan zudem eine subtile Nostalgiekritik (weshalb auch der häufig gezogene Vergleich zu der Serie „Stranger Things" zu kurz greift) und macht sich an eine längst überfällige Revision des Heldenpantheons der Achtziger, in dem es fast überwiegend Jungen vorbehalten war, Außerirdische zu treffen oder zurück in die Zukunft zu reisen. Denn was Eliott, Marty McFly und Mike Wheeler können, können die vier Paper Girls Erin, Mac, Tiffany und KJ schon lange. Und sie setzten sich nebenbei noch mit ihren inneren Ängsten, dem eigenen Begehren und zukünftigen Ichs auseinander. Mehr Badass geht nicht.

Larissa Schober, Redakteurin bei der iz3w und Mitautorin von" Feministisch Streiten. Texte zu Vernunft und Leidenschaft unter Frauen".